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GEDANKEN ZUR 2. KLUBSCHAU
des Richters Herrn Friedrich Schweizer, Adliswil
 

Liebe Continental Bulldog Freunde

Am Sonntag, 3. Juni 2007 konnte in Schöftland / AG die zweite Klubschau, des Continental Bulldog Club Schweiz durchgeführt werden.

Auch wenn etwas spät, trotzdem noch ein paar Worte zur 2ten Klubschau in Schöftland.

Man bemerkte nach dem Eintreffen bald einmal, dass die Ausstellungsverantwortlichen beste Fronarbeit geleistet hatten. Bereits bei der Eröffnung durch den Präsidenten Herr Wymann, mussten die Anwesenden feststellen, dass von der Nachbarschaft extremer Lärm herüber kam. Niemand hatte im voraus das Wissen über den Auto-Tuning-Event, welcher etwa gleichzeitig mit unserer Klubschau begann. Jedoch unsere Bulldog störte dieser schrecklicher Lärm nicht sonderlich. Für meinen Ringsekretär Herr Dr. Schläpfer, sowie Frau Ernst war eine Verständigung zeitweise fast unmöglich.

Die Meldezahl von 48 Hunden fand ich für einen kleinen Klub ausgezeichnet. Zudem wurden drei Zuchtgruppen präsentiert die sich zeigen durften. Eine grosse Anzahl Hunde wurden mir vorgestellt welche bereits in hohem Grade dem Zuchtziel nahekommen. Wie ich feststellte zeigt sich die angestrebte mittlere Grösse der Hunde bereits bei vielen Exemplaren. Das freie Atmen ohne wesentliche Einschränkung (bedingt durch das Gaumensegel) hat sich gewaltig verbessert. Eine verbesserte sehr gute Beweglichkeit zeigte sich bei vielen Hunden. Dass die Rasse noch eine gewisse Streuung zeigt ist normal und bleibt unbestritten. Eines sollte aber sicher sein, es muss immer ein Bulldog sein. Es gibt keine Rasse wo das Endziel erreicht ist, auch wenn sie noch so alt ist. Was nicht vergessen werden darf ist die enorme Arbeit die Frau Imelda Angehrn sich bis heute in jeder Beziehung aufgebürdet hat mit dieser neuen Rasse.

Wie ich feststellen konnte hatten einige Aussteller etwas Mühe ihren Vierbeiner im Ring zu präsentieren. Vielleicht sollten diese Aussteller sich am nächsten Ringtraining, das vom Klub angeboten wird, beteiligen. Ein sehr gut präsentier-ter Hund macht allen viel Freude, dem Halter dem Richter und auch den Zu-schauern.

An dieser Stelle möchte ich es nicht unterlassen mich bei allen zu bedanken die an der Klubschau teilgenommen oder mitgearbeitet haben, den es braucht bekanntlich beide Seiten.

                                        sig. Friedrich Schweizer

 


 

IMPRESSIONEN VON DER KLUBSCHAU
von Herrn Dr. h.c. Hans Räber
beratendes Mitglied der Zuchtkommission

 

Erste Eindrücke:
Die Ruhe in der Halle. Das sonst anlässlich von Hundeausstellungen übliche Gebell fehlte fast völlig, Nur ab und zu gab ein Hund seinen Unmut über die Warterei lauthals kund. 
Alle Hunde waren äusserst freundlich und umgänglich, liessen sich ohne weiteres berühren, ich sah weder einen ängstlichen noch einen aggressiven Hund und Rempeleien unter den Rüden gab es nicht. Das Zuchtziel „sozial verträglicher Hund“ ist beim Continental Bulldog ohne Zweifel erreicht. 

Es war ein heisser Sommertag. Um 15.00h zeigte das Thermometer im Freien 29,5 Grad Celsius, in der Halle war es sicher noch um 2 bis 3 Grad wärmer; dennoch sah ich, bis auf drei Ausnahmen, keinen Hund, der unter Atemnot litt. Im Gegenteil, sie liefen problemlos, ohne zu keuchen, munter ihre Runden im Richterring. Die drei Ausnahmen waren Hunde von ausgesprochenem English Bulldog-Typ, die denn auch, wenn ich mich nicht irre, vom Richter als atypisch, nicht dem Standard entsprechend, ohne Bewertung aus dem Ring entlassen wurden. 

Das Ziel, Hunde ohne gravierende Atemprobleme zu züchten, ist beim Continental Bulldog weitgehend erreicht worden. Aufgefallen ist mir zudem, wie flüssig die Hunde im Trab liefen. Mit wenigen Ausnahmen zeigten sie einen guten Schub der Hinterhand, geräuschvolles Schlurfen, ein Merkmal der English Bulldogs, gab es nicht. Auch in dieser Beziehung wurde viel im Hinblick „gesunder, bewegungsfreudiger Hund“ erreicht. 

Dass bei einer sich im Aufbau befindliche Rasse noch kein einheitliches Rassebild vorhanden sein kann, ist verständlich. Von Rassen, deren Entstehung genau dokumentiert ist (Eurasier, Kromfohrländer, Saarloos und Slowakischer Wolfhund, Kanaan Dog u.a.m.) wissen wir, dass es rund zehn Generationen strengster Zuchtauslese bedarf, bis ein einheitlicher Phänotyp vorhanden ist. Dabei war es beim Eurasier relativ leicht, aus Chow Chow und Wolfspitz, oder bei den Wolfshunden aus Wolf und Dt. Schäferhund, einen einheitlichen Typ zu erzüchten; beim Kromfohrländer ist er heute noch nicht vorhanden. Hier geht man den Weg des geringsten Widerstandes und anerkennt verschiedene Varietäten. 

Das Problem beim Continental Bulldog kann mit den Problemen des Kanaan Dogs verglichen werden. Auch da mussten die ersten Züchter, die Dres. Menzel, aus verschiedenen Hunden zumeist unbekannter Abstammung diejenigen aussuchen, die ihren Vorstellungen über die neue Rasse am besten entsprachen.  

So ist es kaum verwunderlich und auch nicht anders zu erwarten, dass recht verschiedene Typen zur Klubschau erschienen. Die Hunde, die dem Standard in hohem Masse entsprachen, waren vorläufig noch in der Minderheit. Doch dies wird sich von Generation zu Generation ändern und war übrigens bereits festzustellen. Die Hunde in den Junghundeklassen waren einheitlicher als die Hunde in den offenen Klassen. 

Die nun folgenden Bemerkungen sollen keineswegs dem Bericht des Richters vorgreifen, ganz abgesehen davon, dass ausserhalb des Richterrings vieles nicht beachtet werden kann, was das Richterurteil massgeblich beeinflusst. 

Beim Grossteil der vorgeführten Hunde vermisste ich noch die angestrebten Körperproportionen (Widerrist: Körperlänge = 1:1,2). Die Hunde sind noch etwas zu lang und haben deshalb z.T. einen mehr oder weniger ausgeprägten Senkrücken. Nicht durchwegs erreicht ist ebenfalls das Verhältnis Widerrist: Brusttiefe = 2:1, d.h. bei vielen ist der Bodenabstand noch zu gering. Diese Proportionen prägen wesentlich das Erscheinungsbild des Hundes und müssen weiterhin angestrebt werden. 

Viele Hunde, und darunter befinden sich gerade die besten, sind an der obersten Grössengrenze. Wir wollen keinen „Kleinboxer“ sondern einen höchstens mittelgrossen Bulldog; die ideale Grösse liegt bei 42 bis 44 cm. 

Die meisten Hunde hatten eine gerade Rute, Knickruten oder gar Korkenzieherruten waren selten. Wer meint, die Rutenform sei ein nebensächliches Detail vergisst, dass die Rute Teil der Wirbelsäule ist. Eine Krüppelrute steht in der Regel nicht für sich allein da, sondern korreliert mit mehr oder weniger gravierenden Deformationen der Wirbel im Bereich der Lendenwirbelsäule. Die deformierten Ruten müssen deshalb endgültig verschwinden.

 

Etliche Hunde zeigten eine steile Hinterhand, bei ihnen liegt die Kruppe höher als der Widerrist, und das stört das Gesamtbild des Hundes empfindlich. 

Der „birnenförmige Rumpf“ d.h. die schmale Beckenpartie – übrigens eine Mitursache der Geburtsschwierigkeiten – ist beim Continental Bulldog glücklicherweise praktisch verschwunden, hingegen fehlt bei einigen noch der feste Schulterschluss und die gut am Brustkorb anliegenden Ellbogen; dagegen waren fesselweiche Vorderläufe und ausgedrehte Pfoten nur bei wenigen Hunden zu bemängeln. 

Erfreulich viele Hunde zeigten einen genügend langen, kräftigen Hals und eine gut gewölbte Nackenlinie und wenig Wamme; auch in dieser Hinsicht ist ein Fortschritt zu verzeichnen. 

Was die Köpfe betrifft, kann ich mir kein Urteil erlauben, denn Kopfumfang, Gebiss, Hautfalten und Augen lassen sich ausserhalb des Richterrings kaum beurteilen. Hier muss ich das Urteil dem Richter überlassen. Ich kann höchstens sagen, dass für meinen Geschmack noch zu viele Hunde einen zu krassen Stop haben, was mit eine Ursache für Atemprobleme sein kann und zudem einen zu starken Vorbiss zur Folge hat. 

Hier stellt sich den Züchtern noch ein nicht leicht zu lösendes Problem. Wir möchten Hunde mit einem knappen Vorbiss unter Beibehaltung der typischen breiten Schnauzenpartie. Nun ist es leider so, dass die Länge des Oberkiefers und die Länge des Unterkiefers von verschiedenen, von einander unabhängigen genetischen Faktoren gesteuert werden, d.h., ein verkürzter Oberkiefer bedingt nicht einen entsprechend verkürzten Unterkiefer. Der Begriff Vorbiss sagt deutlich, dass der Hund mit den Schneidezähnen noch beissen kann, aber bei einem Abstand von mehr als 2 mm zwischen der oberen und der unteren Schneidezahnreihe ist dies nicht mehr möglich. Ein „Vorbiss“ von 30 mm ist kein Vorbiss mehr, sondern eine Deformation des Schädelskelets. Das Ziel ist: ein gut markierter Stop aber ohne zu tiefe Einbuchtungen und ein gerades Nasenbein, das keineswegs zu kurz sein darf. 

Zum Schluss:
Die Klubschau war eine eindrückliche Heerschau einer im Aufbau befindlichen Rasse und eines noch jungen Klubs. Imelda Angehrn hat mit dem Continental Bulldog ein Kapitel kynologische Geschichte geschrieben, die, davon bin ich überzeugt, Bestand haben wird und ich hoffe, dass die FCI in Bälde den Continental Bulldog in ihre Nomenklatur aufnehmen wird. 

                                                                                                             sig. Dr. h.c. Hans Räber

 

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN
des Richters, Dr. med.vet. Jan Nesvadba

Dieses Jahr sind es 50 Jahre, dass ich als Richter tätig bin. Ich habe während dieser Zeit auf unzähligen Hunde-Ausstellungen nicht nur in ganz Europa aber auch in Australien gerichtet. Nur sehr selten habe ich eine Ausstellung erlebt, die in allen Belangen so präzise und einwandfrei vorbereitet und organisiert war, wie die erste Klubschau des Continental Bulldog Club Schweiz. Unter diesen Bedingungen war das Richten der vorgeführten Hunde sehr angenehm, wozu aber auch das korrekte Verhalten der Aussteller beitrug.

Weniger zufrieden war ich jedoch mit der Vorführung mancher Hunde, was natürlich der Ausstellungs-Unerfahrenheit der Besitzer aber auch der Hunde zuzurechnen ist. Diese Situation durch geeignete Instruktionen und Ringtrainings zu verbessern, betrachte ich als dringende Aufgabe des Klubs wobei natürlich die aktive Teilnahme durch die Hundebesitzer Voraussetzung ist.

60 gemeldete und 56 vorgeführte Continental Bulldogs waren für diese neu entstehende Rasse sehr repräsentativ. Die Bilanz der Qualität der ausgestellten Hunde ist ausserordentlich erfreulich. Sehr positiv ist besonders die Tatsache, dass die jüngeren Kategorien sich bedeutend besser präsentiert haben als die älteren. Von den 15 in den Welpen- und Jüngstenklassen vorgeführten Hunden konnte ich 11 mit der Höchstnote „vielversprechend" bewerten und den übrigen 4 „versprechend" erteilen, was bedeutet, dass auch diese vier dem Standard weitgehend entsprechen. Hier zeigt sich eindeutig, dass die strenge Selektion der Elternpaarungen auf Grund des Typisations-Codes erfolgreich ist.

Von den 41 Continental Bulldogs der älteren Klassen konnte ich 6 mit „vorzüglich" und 25 mit „sehr gut" und 10 mit „gut" bewerten. Dies bedeutet, dass sämtliche Hunde dem Standard in genügendem Masse entsprochen haben, was als Erfolg zu betrachten ist. Die mit „gut" beurteilten Hunde mussten den Ring nur verlassen, weil sie für die Platzierung nicht in Frage kamen, sie sind aber zweifellos auch genügend wertvoll.

Eine manchmal unterschiedliche Bewertung eines bestimmten Hundes durch den gleichen Richter ist vor allem auf die Tagesform dieses Hundes zurückzuführen. Ausserdem muss ich unterstreichen, dass zwischen „vorzüglich" und „sehr gut" ein minimaler Unterschied besteht. Es ist jedoch Pflicht des Richters auch auf kleinere Fehler hinzuweisen. Gerade beim Aufbau einer neuen Rasse muss die Kumulierung von Fehlern vermieden werden und dies ist nur möglich, wenn genaue Informationen über einen Hund vorhanden sind.

Es wäre falsch nur die bisherigen Erfolge zu erwähnen weil in der Weiter-Entwicklung der Zucht uns in der Befestigung des Typs noch sehr viele verantwortungsvolle Aufgaben bevorstehen punkto Grösse, Bodenabstand, gute Stellung und Winkelung sowie der Kopfform und besonders eines einwandfreien Gebisses. Sehr zufrieden sein dürfen wir aber besonders mit dem Charakter. Ausnahmslos waren sämtliche vorgeführten Continental Bulldogs, obzwar von unterschiedlichem Temperament sehr freundlich und wesensfest.

Es hat mir Freude gemacht und ich fühle mich geehrt, dass im Ausstellungs-Katalog bei der Erwähnung meines kynologischen Lebenslaufes am Schluss von „meinen" Continental Bulldogs gesprochen wurde. Diese Aussage möchte ich aber kategorisch korrigieren, da sich an der Entstehung dieser Rasse auch andere namhafte Kynologen beteiligt haben. Allen voran natürlich die Initiatorin dieses Projektes, Imelda Angehrn, und Herr Dr. h.c. Hans Räber.

Es ist schön, dass es heute die neue Schweizer-Rasse „Continental Bulldog" gibt und wir alle müssen uns bemühen an der Weiterentwicklung mitzuarbeiten, jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten. In diesem Zusammenhang möchte ich gewisse Überlegungen anbringen zu der scheinbar noch vielerorts immer vorherrschenden Skepsis ob es überhaupt notwendig und zweckmässig ist, eine neue Rasse zu kreieren wenn es schon so viele verschiedene Hunderassen gibt.

Meiner Meinung nach ist es nicht nur notwendig sondern sogar eine gewisse Verpflichtung unsererseits sowie kommender kynologischer Generationen. Die Knyologie ist keine abgeschlossene sondern eine sehr lebendige Angelegenheit, die sich dauernd weiterentwickeln muss.

So wie wir heute den Continental Bulldog kreieren sind z.B. im 19. Jh. der Dobermann und der Leonberger entstanden, in der ersten Hälfte des 20. Jh. der Jagd-Terrier und in der zweiten Hälfte der Tschechische Terrier, der Tschechoslowakische Wolfshund, der Kromfohrländer und der Eurasier. Bei der Entstehung der vier letztgenannten Rassen war ich persönlich von Anfang an beteiligt und habe jeweils die genau gleiche Skepsis erfahren. Heute sind sie alle im FCI-Raum anerkannte und sehr beliebte Rassen.

Die Berechtigung, den Continental Bulldog zu entwickeln ist bereits in der Tatsache begründet, dass gegenwärtig keine mittelgrosse, pflegeleichte und gesunde bulldog-artige Rasse besteht, die die besten Voraussetzungen für einen idealen Familien- und leistungsfähigen Sport-Hund hat.
                                                               
sig. Dr. Jan Nesvadba

 

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